Tipps von TÜV SÜD-Experten für den passenden Reifen zu Auto und Geldbeutel.

Jetzt wird es Zeit für die Sommerreifen. Gut 21 Millionen neue Pneus benötigten die Autos der Deutschen im vergangenen Jahr. Der größte Teil davon geht im Frühjahr über Ladentheke und Hebebühne. Erste Orientierung beim Kauf gibt das neue EU-Label mit Richtwerten zu Nässegrip, Rollwiderstand und Außengeräusch. Tipps von TÜV SÜD-Experten für den passenden Reifen zu Auto und Geldbeutel.

Von O bis O – auf diesen einprägsamen Nenner haben die Reifenspezialisten ihre Empfehlung für den Wechsel von Winter- auf Sommerbereifung gebracht. Von Ostern bis Oktober ist also in etwa Saison für Sommerreifen. Eine andere Regel sagt: Wenn die Tagestemperaturen in der Regel über sieben Grad liegen. Wer neue Reifen braucht, sollte spätestens jetzt einen Termin beim Reifenhändler machen. Für die Auswahl stehen in diesem Jahr erstmals welche mit dem neuen Reifenlabel der EU in den Regalen. „Autofahrer sollten aber noch auf andere Faktoren achten“, sagt Philip Puls von TÜV SÜD.
Aus: Haben die Sommerräder in Garage oder Keller jetzt schon weniger als vier Millimeter Profil? Dann sollten sie erst gar nicht mehr aufs Auto kommen. Im Laufe der kommenden Monate würde das Profil schließlich weiter schwinden. Und bei drei Millimetern ist der Bremsweg bei Nässe schon um rund zehn Meter länger als mit einem Neureifen. Die Arbeit oder die Kosten für die Montage praktisch abgefahrener Reifen lohnen sich jetzt nicht mehr.

Auswahl: Neutrale Reifentests in Fachzeitschriften sind eine gute Informationsquelle über die Leistungen von Reifen. Auch Verbraucherorganisationen wie die Stiftung Warentest vergleichen regelmäßig die Qualität dieser wichtigen Sicherheitskomponenten fürs Auto. Die Ergebnisse von Tests beziehen sich allerdings immer nur auf die jeweils geprüfte Dimension. „Als Richtschnur sind sie mit gewissen Abstrichen bei abweichenden Größen ebenfalls hilfreich“, sagt Puls.

Aufkleber: Kauforientierung bietet seit November ein neues Reifenlabel, das die Eigenschaften Nässe-Grip, Rollwiderstand sowie Geräuschentwicklung auf einen Blick deutlich macht. Allerdings gilt die Labelpflicht erst für Reifen, die ab Juli 2012 produziert wurden. „Den Verkäufer auch auf die Umweltverträglichkeit ansprechen“, so Puls. Die Energieeffizienz hat nämlich nicht zwingend auch eine Auswirkung auf die Sicherheit: „Die Produkte der bekannten großen Reifenhersteller stellen durchweg einen guten Kompromiss zwischen Kriterien wie Grip, Lebensdauer, Nässe- und Trockeneigenschaften, aber eben auch Rollwiderstand dar“, so der TÜV SÜD-Experte.

Auftrag: Der qualifizierte Fachhändler ist die erste Adresse, wenn es um Montage und Auswuchten geht. Oftmals sind seine Preise unter dem Strich auch für die Reifen gar nicht höher als beim inzwischen sehr beliebten Kauf im Internet. Die dort bezogenen Pneus müssen schließlich auch montiert werden – und dafür gibt der Reifenhandel keinen Rabatt. Anders sieht das meist aus, wenn er ein Satz Reifen verkaufen kann.

Ausbaubar: Die Neubereifung bietet zumeist die Möglichkeiten, andere Dimensionen montieren zu lassen. Die genauen Angaben über zugelassene Größen finden sich leider nicht mehr in den neuen Fahrzeugpapieren. Sie stehen nur noch in der EG-Übereinstimmungsbescheinigung (Certificate of Conformity CoC). Im Zweifel den Reifen- oder Autohändler oder den TÜV SÜD-Sachverständigen fragen!
Aufbau: Eine gute Wahl bei der Neuanschaffung stellt das Reifenmodell dar, das der Autohersteller in der Erstausrüstung montiert hat. „Die Autoindustrie ermitteln den geeigneten Typ in einem sehr aufwendigen Verfahren“, so Puls. Soll nur eine Achse neu bereift werden, ist die Verwendung der gleichen Reifen wie auf der anderen Achse ohnehin dringend zu empfehlen. Ansonsten kann die Ausgewogenheit der Fahreigenschaften leiden.

Abspecken: Darf‘s ein bisschen mehr sein? In diesem Sinn versuchen manche Händler, breitere und größere Reifen zu verkaufen, als zuvor montiert waren. Doch es geht auch umgekehrt und damit kann der Reifenkäufer viel Geld sparen. Eine geringere Breite – 195 statt 205 Millimeter – sind in Euro zu messen. Ähnliches gilt für den Last- und Geschwindigkeitsindex. Fordern die Zulassungspapiere beispielsweise V-Reifen (bis 240 km/h), kann man den Mehrpreis für die W-Kennzeichnung sparen. Gleiches gilt für die Einstufung XL oder Extra Load, wenn sie nicht gefordert ist. „Dieses Abspecken wirkt sich in aller Regel auch positiv auf den Verbrauch aus“, so der Hinweis von Puls.

Ausgaben: Stets die Gesamtkosten für einen Satz neue Reifen berücksichtigen! Nicht nur der Preis der runden Gummis selbst zählt hier. Montage, Auswuchten und die Entsorgung der Altreifen kosten ebenfalls. „Allerdings sollte nicht an der Qualität der Arbeit gespart werden“, sagt Puls. „Was hilft die Einsparung von ein oder zwei Euro beim Auswuchten, wenn später das Lenkrad flattert?“ Der Verzicht auf Reifenfüllgase ist dagegen eine Einsparung ohne Nachteile. Luft genügt nach Erkenntnissen von TÜV SÜD völlig.

Ausweichlösung: Die großen und renommierten Reifenhersteller haben auch so genannte Zweitmarken im Angebot. Deren Produkte stellen eine erwägenswerte Alternative zu No-Name-Importen aus Fernost dar.